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Den Kilos auf den Leib rücken - Gewichtsreduktion durch Magenband oder Magenbypass 19.05.2011    

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Lebenserwartung und Übergewicht
Die Weltgesundheitsorganisation WHO betrachtet es als das weltweit größte chronische Gesundheitsproblem: morbide Adipositas (krankhafte Fettleibigkeit). Seit Jahrzehnten werden die Menschen in den Industrieländern immer dicker. Nur etwa ein Drittel der Deutschen kann sich noch als normalgewichtig bezeichnen. Der Rest gilt nach der Definition der WHO als übergewichtig oder adipös - Tendenz steigend. Ob jemand nur "gut beisammen", bereits übergewichtig oder gar adipös ist, wird anhand einer Tabelle mithilfe des so genannten Body Mass Index (BMI) bestimmt.

Kennen Sie Ihren BMI?
Hier können Sie ihn ganz einfach berechnen.


Kategorie
BMI
Normalgewicht
18,5 - 24,9
Übergewicht
25,0 - 29,9
Adipositas Grad I
30,0 - 34,9
Adipositas Grad II
35,0 - 39,9
Adipositas Grad III
(krankhafte Fettsucht)
≥40


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Kurz unterhalb der Speiseröhre wird ein Band um den Magen gelegt, der danach nur noch kleine Nahrungsmengen fassen kann. Der Patient ist schneller satt.
Adipositas und die Folgen
Übergewicht wird auch bei Kindern zu einem immer größeren Problem. Bis zu 20% Prozent der Schulkinder und Jugendlichen sind zu dick, 7% gelten gar als adipös. Viele werden zeitlebens übergewichtig bleiben. Sie leiden jahrelang unter dem anhaltenden Spott und Unverständnis aus ihrer Umwelt, quälen sich durch Dutzende Diäten, schämen sich für ihren Körper und ziehen sich immer mehr zurück. Zu der psychischen Belastung gesellen sich langfristig schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Diese sind umso ausgeprägter, je höher der BMI steigt. Dazu gehören: Bluthochdruck, Koronare Herzerkrankungen, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Schlaganfall und Krebserkrankungen. All diese Erkrankungen sind in ihrem Verlauf mit erheblichen Behandlungskosten verbunden, die das Gesundheitssystem bereits jetzt stark belasten.


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Der Arzt bildet durch eine Klammernaht einen kleinen Vormagen, an den er eine Dünndarmschlinge klammert. Restmagen und der Zwölffingerdarm werden so umgangen und weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen.
Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Ob und warum jemand übergewichtig wird, ist im Einzelfall von ganz verschiedenen Einflussfaktoren abhängig: Nahrung, Bewegung, Veranlagung, Stoffwechsel, Medikamente oder das soziale Umfeld. Gelerntes Verhalten ("Iss deinen Teller leer") kann beispielsweise dazu führen, dass man langfristig das Gefühl dafür verliert, wann man satt ist. Insbesondere der "moderne Lebensstil" - mangelnde Bewegung bei wenig ausgewogenem Essen - verursacht, dass die Menschen dicker und dicker werden.

Um die überschüssigen Pfunde wieder los zu werden, muss der Körper theoretisch nur mehr Energie verbrauchen als er mit der Nahrung aufnimmt. Was einfach klingt gelingt nur den wenigsten. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfiehlt in ihrer Leitlinie einen Stufenplan, der sich aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie zusammensetzt. Unter Umständen können auch Medikamente eingesetzt werden. Diese konservativen Methoden bringen bei starkem Übergewicht (ab BMI 35) aber nur selten nennenswerte Erfolge. Denn sie fordern ein enormes Durchhalte-
vermögen von den Betroffenen, die aufgrund ihrer Leibesfülle zudem nicht "einfach mal" mehr Sport machen können. Für Menschen mit hochgradiger Adipositas (BMI > 40 oder BMI > 35 mit Begleiterkrankungen) eignen sich chirurgische Methoden, um die Kalorienzufuhr und das Gewicht langfristig zu senken.

Gewichtsabnahme durch Umgehung
Bei der Magenbypass-Operation teilt der Arzt zunächst den Magen durch eine Klammernaht in einen kleinen Vor- und in einen Restmagen. An den Vormagen klammert er eine Dünndarmschlinge, die Restmagen und Zwölffingerdarm sozusagen "umgeht". Die Nahrung gelangt so direkt vom Vormagen in den Dünndarm. Durch die "Abkürzung" verringert sich die Strecke, auf der der Körper Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei aufnehmen und verwerten kann (Malabsorption). Geringe Nährstoffaufnahme ist gleichbedeutend mit geringer Kalorienaufnahme; der Körper greift seine eigenen Fettreserven an und der Patient nimmt ab. Wichtige Nährstoffe und Vitamine, die ebenfalls nur noch reduziert aufgenommen werden können, werden durch ergänzende Präparate ausgeglichen. In der Regel ist für diesen Eingriff eine Operation mit großem Bauchschnitt nötig, zunehmend wenden Ärzte aber auch die "Schüsselloch-Technik" an, die nur noch kleine Schnitte für die Instrumente benötigt.

Kleiner Magen - kleiner Hunger
Das Magenband ist ein 12 mm breites Silikonband, mit dem der Magen wie mit einem Gürtel kurz unterhalb der Speiseröhre eingeengt wird. Dadurch entsteht ein kleiner Vormagen, der nur noch kleine Nahrungsmengen von 20-30 ml fasst. Diese gelangen dann langsam durch einen schmalen Kanal in den Restmagen und schließlich in den Verdauungstrakt. Selbst durch kleine Nahrungsmengen wird der Vormagen bereits soweit gedehnt, dass sich der Patient schneller und länger satt fühlt. Das Magenband kann im Nachhinein leicht angepasst werden: an der Innenseite befindet sich eine Manschette, die mit einem Schlauch verbunden ist, der in einem so genannten "Injektions-
reservoir" mündet. Das Reservoir wird während der Operation nah unter der Bauchdecke vernäht. So kann der Arzt im Nachhinein problemlos durch Injektion in das Reservoir Flüssigkeit im elastischen Teil des Bandes hinzufügen oder entfernen und den Durchgang zum Restmagen ohne Narkose oder weiteren Eingriff vergrößern oder verkleinern. Die Magenband-Operation wird minimal-invasiv, also ohne Bauchschnitt durchgeführt und der Patient ist schnell wieder auf den Beinen.

Individuelle Entscheidung über das "Ob" und "Wie"
Oft geht der Entscheidung für die Adipositas-Chirurgie eine lange Odyssee gescheiterter Abnehmversuche voraus. Entsprechend hoch sind die Erwar-
tungen und Hoffnungen der Patienten, ihr Gewicht endlich in den Griff zu bekommen. Gerade deshalb sollte die Entscheidung für oder gegen einen chirurgischen Eingriff immer sorgfältig mit den behandelnden Ärzten (Hausarzt, Psychotherapeut, Internist und Chirurg) abgewogen werden. Denn nicht für jeden Patienten ist jede Methode gleich gut geeignet. Einige grundsätzliche Voraussetzungen, die ein Patient erfüllen muss:
  • Er befindet sich wegen seiner Fettleibigkeit in ärztlicher Behandlung.
  • Es ist ihm bislang nicht gelungen, dauerhaft Gewicht durch eine andere, nicht-operative Methode zu verlieren.
  • Die Fettleibigkeit ist nicht durch eine andere Krankheit verursacht.

Für nähere Informationen wendet man sich am besten direkt an ein Adipositas-Zentrum, das Erfahrungen mit allen verfügbaren chirurgischen Methoden hat. Hier wird das am besten geeignete Verfahren individuell ausgewählt. Zunächst füllt der Patient eine Reihe von Fragebögen aus, die den Ärzten ein erstes Bild über seinen Gesundheitszustand und seine familiären Vorbelastungen geben. Es folgen verschiedene körperliche Untersuchungen und psychologische Gespräche zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten des Patienten. Erst dann wird entschieden, ob und mit welcher Methode ein Patient chirurgisch behandelt wird oder ob nicht zunächst doch eine andere Behandlung sinnvoll ist.

Magenbypass
Der Arzt bildet durch eine Klammernaht einen kleinen Vormagen, an den er eine Dünndarmschlinge klammert. Restmagen und der Zwölffingerdarm werden so umgangen und weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen.

Magenband
Kurz unterhalb der Speiseröhre wird ein Band um den Magen gelegt, der danach nur noch kleine Nahrungsmengen fassen kann. Der Patient ist schneller satt.

Langfristige Risiko- und Kostenreduktion
Magenband- oder Magenbypass-Operationen senken nicht nur nachweislich das Gewicht, sondern auch das Risiko von Begleiterkrankungen. Beispielsweise bessern sich Diabetes Typ 2 oder Bluthochdruck ein Jahr nach dem Eingriff bei den meisten Patienten deutlich, teilweise verschwinden diese Krankheiten sogar ganz. Das bedeutet nicht nur einen Gewinn an Lebensqualität und Lebensjahren für den Betroffenen, sondern auch ein Kosteneinsparpotenzial von mehreren Millionen Euro jährlich für das Gesundheitssystem. Bereits heute werden 5 Prozent aller Gesundheitsausgaben in den Industrieländern für Adipositas und ihre Folgeerkrankungen ausgegeben. Vor diesem Hintergrund wundert es, dass in Deutschland weniger als 1 Prozent der krankhaft übergewichtigen Patienten chirurgisch therapiert werden. Ein Grund dafür liegt in der Kostenerstattung: Nur bei einem von sieben Patienten wird der Eingriff bezahlt, weil die langfristigen Einsparmöglichkeiten dieser Verfahren noch zu wenig berücksichtig werden.

Letzte Aktualisierung: August 2005

Weitere Informationen zum Thema Adipositas:

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