Zur Startseite der Aktion Meditech

Navigation

ICD - Der Hüter des Herzrhythmus 19.05.2011    

Vergrößern
Messfühler an den Enden der Elektroden leiten die Herzsignale an den Mikrocomputer des ICD weiter. Bei Bedarf gibt das Gerät durch die Elektroden elektrische Impulse an das Herz ab.
Krankheitsbild: Herzrhythmusstörungen
Ein gesundes Herz schlägt mit einer regelmäßigen Frequenz von 60 bis 100 Schlägen pro Minute. Ist der Herzrhythmus in den Vorhöfen gestört, kann dies die Pumpleistung des Herzens um 20 bis 30 Prozent verringern und Vorhofflimmern entstehen. Darunter versteht man ungeordnete Kontraktionen, die zu einem raschen Zittern anstatt zu regelmäßigem Pumprhythmus führen. Zu den typischen Symptomen gehören Herzrasen, Müdigkeit, Schwächegefühl, Schwindel, Atemnot und Angst. Manche Menschen spüren allerdings überhaupt keine Symptome.

Vergrößern
Moderne ICDs haben ein Titangehäuse , sind weniger als 10 mm dick und wiegen max. 75 Gramm.
Das Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Weltweit leiden ca. 5,5 Millionen Menschen daran, die jährlichen Zuwachsraten sind enorm. Für sich betrachtet ist das Vorhofflimmern nicht lebensbedrohlich, aber es kann zu scherwiegenden Folgeerkrankungen führen:

  • fünffach erhöhtes Risiko für Schlaganfall
  • Herzschwäche und Herzversagen bzw. Plötzlicher Herztod


Der Plötzliche Herztod, ein durch Herzkammerflimmern ausgelöster Kreislaufstillstand, ist die häufigste Todesursache überhaupt. Am stärksten betroffen sind Menschen, die Monate oder Jahre zuvor einen Herzinfarkt hatten. Eine vorbeugende Behandlung dieser Patienten mit Medikamenten hat sich als nicht wirksam herausgestellt. Die einzig wirksame Waffe im Kampf gegen den Plötzlichen Herztod ist ein implantierbarer Cardioverter Defibrillator, kurz ICD.

Neue Behandlungsmöglichkeit: ICD
Je nachdem, welche Faktoren bei einem Patienten vorliegen, wählt der Arzt eine medikamentöse Therapie oder eine operative Behandlung. Bei bestimmten Faktoren (z.B. ein überlebter Herz-Kreislaufstillstand, unregelmäßiger Rhythmus in den Vorhöfen und zugleich zu schneller Rhythmus in den Kammern), insbesondere bei Risikogruppen für den Plötzlichen Herztod, ist die Implantation eines Defibrillators sinnvoll.

Die Abkürzung der implantierbaren Defibrillatoren in der Fachsprache ist ICD - im Volksmund werden sie schlicht "Defi" genannt. Der ICD besteht aus einer Batterie und einem elektronischen Schaltkreis, der den Herzschlag ständig überwacht. Wird eine gefährliche Herzrhythmusstörung erkannt, dann gibt das System einen Gleichstromimpuls ab, der den regelmäßigen Herzschlag wieder herstellt. Die heutigen Zweikammer-Defibrillatoren können dank ausgereifter Technologie die Stärke des Impulses auf die aktuelle Situation und die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abstimmen - so bleiben den Patienten unnötig starke Schocks erspart.

ICDs arbeiten so zuverlässig, dass sie die Gefahr, an einer Rhythmusstörung zu sterben, nahezu ausschalten. Das konnte in vielen großen Studien nachgewiesen werden. Die Wissenschaftler sind jetzt intensiv auf der Suche nach Möglichkeiten, die Parameter für Risikopatienten möglichst genau festzulegen, deren Leben durch den ICD gerettet und verlängert werden kann.

Implantation
Ein ICD oder Defi ist so klein, dass die Implantation in die vordere Brustwand in weniger als einer Stunde und mit lokaler Betäubung möglich ist. Nur für die Bestimmung der Stärke des Elektroschocks erhält der Patient eine Kurzzeitnarkose. Im Anschluss an die Implantation wird er für 24 Stunden überwacht. Nach weiteren vier bis sechs Tagen sollte die Feineinstellung des Defibrillators erfolgen.

Das Herz
Messfühler an den Enden der Elektroden leiten die Herzsignale an den Mikrocomputer des ICD weiter. Bei Bedarf gibt das Gerät durch die Elektroden elektrische Impulse an das Herz ab.
Leben mit dem Defi
Mit einem für seinen Träger maßgeschneiderten, individuell eingestellten Programm überwacht der Defi rund um die Uhr die Herztätigkeit - und antwortet bei Bedarf mit einem oder mehreren Impulsen in der jeweils notwendigen Stärke. Die Grunderkrankung kann der Defi nicht heilen - aber er ist ein zuverlässiges Sicherheitsnetz bei unerwarteten Herzrhythmusstörungen.

Das Empfinden der ICD-Impulse ist unterschiedlich. Die meisten Patienten spüren einen mehr oder weniger starken Stoß vor die Brust, manche fühlen sich benommen, wenige werden bewusstlos und spüren nichts. Vielen Patienten zeigt ein warnendes Vorgefühl, dass in Kürze eine elektrische Entladung folgt - sie können sich dann vorbereiten, indem sie sich setzen oder hinlegen.

Ähnlich wie ein Herzschrittmacher wird der Defi alle vier bis sechs Monate per elektronischer Abfrage kontrolliert und gegebenenfalls neu eingestellt. Die Batterie hat, je nach Stärke und Häufigkeit der abgegebenen Impulse, eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren. Die Erschöpfung der Batterien wird so früh angezeigt, dass der Austausch rechtzeitig geplant werden kann.

Manchen Patienten ist die Vorstellung, ein implantiertes Gerät zu tragen, das elektrische Impulse abgibt, zunächst unangenehm. Eingehende Gespräche und umfassende Aufklärung durch den behandelnden Arzt räumen diese Bedenken meist vollständig aus. Gut informierte Patienten wissen, dass der Defi die einzige Möglichkeit ist, sie vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und vor dem Plötzlichen Herztod zu schützen.

Defi-Träger können in der Regel schon bald nach der Implantation wieder ihrem Beruf und ihren Hobbies nachgehen sowie die meisten Sportarten betreiben. Einschränkungen kann es beim Autofahren geben, Handys sollten mindestens 15 cm entfernt vom Defibrillator gehalten werden, Gurte mit schweren Taschen sollten nicht direkt über dem Defi getragen werden, um die Elektroden nicht zu beschädigen.

Weitere Informationen zum Thema ICD:

Patienten berichten:

Nachrichten

25.10.2018

Datenerforschung für medizinisches Wissen

Karlsruhe/Heidelberg – Bei der Erforschung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten entstehen viele Daten. Diese systematisch zu durchkämmen, könnte neues medizinisches Wissen schaffen. Das erhoffen sich das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ)... Details
25.10.2018

ePA-Studie: Deutschland rutscht ins untere Mittelfeld ab

Berlin – Eine Studie bescheinigt der Bundesrepublik Nachholbedarf bei der Implementierung der elektronischen Patientenakte (ePA) in das digitale Gesundheitsnetz. Das Forschungsprojekt liegt in den Händen des Berliner Instituts für angewandte Versorgungsforschung (inav). Auftraggeber ist die... Details
25.10.2018

Qualitätsreport: IQTiG hat wenig Beanstandungen

Berlin – Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) hat 26 Qualitätssicherungsverfahren in deutschen Krankenhäusern unter die Lupe genommen. Auftraggeber ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Das IQTiG erkennt in folgenden Bereichen besonderen... Details
25.10.2018

Stoma-Versorgung: BVMed warnt vor Ausschreibungen

Berlin – Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) sieht die Stoma-Versorgungsqualität gefährdet. Der Grund dafür seien die Absenkungen des Vergütungsniveaus sowie die Ausschreibungen der Krankenkassen, sagt BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt anlässlich des... Details
25.10.2018

Schlaganfallpatienten trainieren mit Robotern

Konstanz – Erholungserfolg dank Robotertraining: Forscher des Lurija Instituts für Rehabilitationswissenschaften und Gesundheitsforschung haben untersucht, ob ein roboterassistiertes Bewegungstraining Schlaganfallpatienten helfen kann. Zehn Schlaganfall-Betroffene mit Armlähmung konnten während... Details
23.05.2018

Schlaganfall-Risiko Vorhofflimmern: Frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig

Eltville – Herzrhythmusstörungen treten in der Bevölkerung relativ häufig auf, mit Vorhofflimmern als häufigster Form. Durch diese Form des Flimmerns pumpt das Herz weniger Blut. Es können sich Blutgerinnsel im linken Vorhof bilden und in das Gehirn gelangen, wo sie ein Blutgefäß verstopfen... Details
14.11.2017

Volkskrankheiten auf dem Vormarsch: Moderne Medizintechnologie rettet Leben

Eltville – Der medizintechnische Fortschritt hilft, die Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu meistern: Im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzschwäche oder Durchblutungsstörungen spielen medizintechnologische Verfahren eine entscheidende Rolle. Moderne Untersuchungs-... Details

Verwandte Inhalte

25.10.2018

Damit die Prothese nicht mehr wie ein Fremdkörper wirkt

Freiburg – Ein internationales Forschungsteam mit Freiburger Beteiligung entwickelt eine spezielle Kodierung für Stromimpulse. Mit ihrer Hilfe sollen Prothesen nicht mehr wie Fremdkörper wirken.
Das neue Verfahren ermöglicht es Patienten, mit ihrer Armprothese genauer zu greifen und diese... Details
25.10.2018

Pflegepersonal-Stärkungsgesetz: Kritik an DRG-Regelung

Berlin – Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz stößt bei Gesundheitsverbänden auf Kritik. Das zeigen die öffentliche Anhörung im Bundesgesundheitsausschuss und die schriftliche Stellungnahme von Experten. Bereits Ende September wurde das Gesetz im Bundestag diskutiert.
Der AOK-Bundesverband... Details
25.04.2017

Defibrillatorweste schützt wirksam vor dem plötzlichen Herztod

Eltville – Der plötzliche Herztod (PHT) ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die einzige wirksame Behandlung ist die Defibrillation. Patienten mit einem dauerhaften PHT-Risiko werden in der Regel mit einem implantierbaren Cardioverter Defibrillator (ICD) versorgt. Für Patienten... Details
23.01.2017

Den Spaß am Leben nicht verlieren

Steffen Friedrich befindet sich mit seinen 20 Jahren auf dem Weg in die Profikarriere als Fußballer, als er im August 2015 erstmals bemerkt, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt. Er unterzieht sich umfangreichen Untersuchungen, bis ein so genannter Event-Rekorder bösartige Herzrhythmusstörungen... Details

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen Barrierefrei nach W3C "Web Content Accessi- bility Guidelines 1.0", Stufe A.