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Chronisches Nierenversagen 19.05.2011    

Krankheitsbild
Chronisches Nierenversagen bedeutet, dass die Nieren nicht mehr normal funktionieren. Im Endstadium dieser Krankheit sind die Patienten zum Überleben dauerhaft auf eine Nierenersatztherapie angewiesen, die die Funktion des Organs weitgehend übernimmt. Eine solche Ersatztherapie ist die Dialyse. Derzeit sind in Deutschland etwa 54.000 Menschen auf die Dialyse angewiesen, und jährlich kommen 2.500 weitere Patienten dazu.

Chronisches Nierenversagen kann jeden Menschen treffen. Die Ursachen sind vielfältig: akute oder chronische Entzündungen der Nieren und Harnwege, Diabetes mellitus, Erkrankungen an den Nierengefäßen, Zystennieren oder seltene Erkrankungen des Immunsystems. Häufig führt auch jahre- bis jahrzehntelanger Missbrauch von Medikamenten, insbesondere von Schmerzmitteln, zu einer chronischen Nierenschädigung.

Die Krankheit beginnt oft schleichend und bleibt deshalb zunächst meist unbemerkt: Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall, Appetitlosigkeit und Erbrechen beeinträchtigen das Wohlbefinden, sind aber recht unspezifisch. Die meisten Patienten lagern schließlich Wasser im Gewebe ein, vor allem in den Beinen. Der Arzt stellt dann häufig einen hohen Blutdruck fest. Die Nierenwerte im Blut (Kreatinin, Harnstoff) sind meist erheblich erhöht - Zeichen für eine mehr oder weniger starke Vergiftung des Körpers. Die Urinausscheidung lässt allmählich nach, außerdem kann es zu Eiweißverlust über den Urin kommen.

Therapieformen
Der Arzt unterscheidet verschiedene Stadien der Niereninsuffizienz. Die Behandlung zielt zunächst darauf ab, die Krankheit zumindest aufzuhalten oder das Grundleiden zu beheben, was allerdings meist nicht möglich ist. Ein Mensch, der beispielsweise nur eine Niere hat, die nur noch 20% Leistung bringt, kann noch ein weitgehend normales Leben führen. Im Endstadium aber, wenn die Nieren ihre Funktion nahezu eingestellt haben, entsteht rasch eine lebensbedrohliche Situation.

Organtransplantation
Eine optimale Nierenersatztherapie ist die Transplantation einer gesunden Niere. Dieses Organ kann von Verstorbenen stammen, aber auch von lebenden Spendern - meist von Freunden oder Verwandten, die dem Patienten eine ihrer beiden Nieren spenden. Grundsätzlich gilt für jede Form der Organspende: Die Blutgruppen müssen übereinstimmen. Beste Voraussetzungen für ein langes Überleben des Transplantats sind gegeben, wenn gewebetypische Faktoren von Spender und Empfänger möglichst gut übereinstimmen. Gegen Abstoßungsreaktionen - im Prinzip normale und gesunde Reaktionen des Immunsystems, die aber bei Transplantationen unerwünscht sind - gibt es heute viele potente Medikamente (Immunsuppressiva).

Leider betragen die Wartezeiten für eine Spenderniere in Deutschland derzeit im Schnitt 5-7 Jahre. Viele Jahre also, in denen der Patient ständig erreichbar sein muss, in denen sich sein Gesundheitszustand aber auch ernsthaft verschlechtern kann. In Deutschland wurden im Jahr 2003 nur 2.516 Nierentransplantationen durchgeführt, davon 117 bei Kindern und Jugendlichen.

Um die Wartezeit zu überbrücken, ist eine Nierenersatztherapie nötig, die die Funktion des Organs wenigstens zum Teil übernehmen kann: die Dialyse. Die Dialyse ist auch dann notwendig, wenn eine Transplantation aus medizinischen Gründen z.B. wegen anderer schwerer Begleiterkrankungen nicht in Frage kommt.

Dialyse
Als Nierenersatztherapie sorgt die Dialyse für die Reinigung des Blutes von Giftstoffen und überschüssiger Flüssigkeit. Es gibt verschiedene Formen der Dialyse: Bei der Hämodialyse übernimmt eine "künstliche Niere" die Blutwäsche außerhalb des Körpers. Bei der Peritonealdialyse hingegen werden die natürlichen Eigenschaften des Bauchfells zur Blutreinigung genutzt, die Blutwäsche findet also innerhalb des Körpers statt und der Patient ist nicht auf eine Maschine angewiesen. In einem Gespräch mit dem behandelnden Nierenfacharzt wird die für den Patienten geeignete Therapieform festgelegt.

Hämodialyse
Die Hämodialyse gibt es seit den 60er Jahren; sie ist die bekannteste Form der Nierenersatztherapie. Eine "künstliche Niere" übernimmt dabei die Reinigung des Blutes. Das Blut wird über Schlauchsysteme entzogen, in einem speziellen Filter gereinigt und anschließend in den Körper zurückgeführt. Um die Hämodialyse dauerhaft überhaupt möglich zu machen, muss ca. 6-8 Wochen vor der ersten Behandlung operativ eine künstliche Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene hergestellt werden. Die so angelegte Fistel - Shunt genannt - ist als dicklicher Strang meist am Unterarm sichtbar und wird bei jeder Behandlung mit zwei Nadeln punktiert.

Die Hämodialyse wird in speziellen Zentren unter der Aufsicht von Pflegepersonal durchgeführt. Eine Behandlung dauert durchschnittlich 4 bis 5 Stunden und muss dreimal wöchentlich durchgeführt werden.

Der Patient kann auf eine optimale Behandlung vertrauen, weil sie von Fachkräften durchgeführt wird. Der Preis dafür ist, dass er sich einem festen Behandlungsplan anpassen und dreimal pro Woche in das Zentrum kommen muss. Die Hämodialyse ist zeitaufwändig und bringt Einschränkungen im Hinblick auf Berufstätigkeit und Alltagsgestaltung mit sich. Da sie - anders als die natürliche Nierenfunktion - nicht kontinuierlich stattfindet, sammeln sich regelmäßig Wasser und Giftstoffe im Blut an. Deshalb muss der Patient eine strenge Diät einhalten, darf nur wenig trinken und muss zusätzlich Medikamente einnehmen. Die besondere Sorge der Ärzte gilt dem Shunt, der sich leicht infizieren kann. Aufgrund des hohen Personalaufwands und der jeweils notwendigen Transporte (Taxifahrten für chronisch Kranke werden erstattet) belastet die Hämodialyse das Gesundheitssystem enorm.

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