Zur Startseite der Aktion Meditech

Navigation

Venenleiden und Tiefe Beinvenenthrombose 19.05.2011    

Vergrößern
Thromben bilden sich oft hinter Venenklappen, da sich dort das Blut staut. Gelangt ein solches Gerinnsel in die Lunge, kann es eine tödliche Embolie auslösen.
Besonders Menschen, die einer stehenden Tätigkeit nachgehen, kennen das: schwere, geschwollene Beine und Füße, Brennen, Schmerzen, nächtliche Wadenkrämpfe. Ursache ist ein unzureichender Abtransport des Blutes aus den Beinen. Was harmlos beginnt, endet nicht selten in chronischen Venenschäden. Allein in Deutschland leidet jeder Achte darunter, drei Viertel davon sind Frauen.

Stopp and Go
Der Abfluss des Blutes aus den Beinen erfolgt über oberflächliche und tiefe Venen. Beim Rücktransport zum Herz muss das Blut gegen die Schwerkraft nach oben befördert werden. Die Pumpleistung des Herzens wird dabei durch einen sehr wirkungsvollen Mechanismus unterstützt, die Muskelpumpe. Sie kommt zum Einsatz, wenn die Beinmuskeln, insbesondere in den Waden, sich beim Gehen anspannen und benachbarte Venen zusammenpressen. So wird das Blut regelrecht nach oben aus den Venen herausgedrückt. Venenklappen, die wie Ventile funktionieren, verhindern dabei den Rückfluss des Blutes. Sie öffnen sich, wenn Blut nach oben strömt und schließen sich wieder, sobald es aufhört zu fließen.

Vergrößern
Bei Anspannung der Waden-
muskeln werden die Beinvenen komprimiert und das Blut aus ihnen herausgepresst (links).
Versagt die Muskelpumpe strömt das Blut nur langsam aus den tiefen Beinvenen und es kommt zu Stauungen: Die Gefahr der Gerinnselbildung steigt (rechts).
Stau
Sinkt die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes, kommt es zu Stauungen in den Beinen. Die Wände der Venen werden dadurch regelrecht "ausgebuchtet" und als Konsequenz mit der Zeit umgebaut. Die anhaltende Überdehnung führt zusätzlich dazu, dass die Venenklappen nicht mehr richtig schließen, was den Stau in den Beinen noch verschlimmert. Lebensgefährlich wird es, wenn sich in den tiefen Beinvenen Gerinnsel (Thromben) bilden, die den Blutfluss behindern oder ganz blockieren. Wird ein solcher Teil- oder Komplettverschluss nicht erkannt, können langfristige Venenschädigungen wie Krampfadern und "offene Beine" daraus resultieren. Löst sich das Gerinnsel und wird vom Blutstrom in die Lunge geschwemmt, droht eine tödliche Lungenembolie: Eine Komplikation, an der jährlich rund eine halbe Million Europäer sterben.


Diagnose
Neben plötzlich auftretenden Schmerzen können Schwellungen und Verfärbungen des betroffenen Beins Anzeichen für eine Tiefe Beinvenenthrombose sein. In solchen Verdachtsfällen sollte immer eine Abklärung durch einen Arzt erfolgen - am besten sofort. Die größte Bedeutung hat hierbei die farbkodierte Duplex-Sonographie (= Farbduplex), eine spezielle Ultraschalluntersuchung.

Freier Fluss
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die Venenprobleme begünstigen,
dazu zählen:
  • genetisch bedingte Schwäche der Venenwände
  • frühere Thrombosen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Stehberufe
  • Schwangerschaften
  • Östrogenpräparate (etwa die Pille)
  • Rauchen
  • Krebserkrankungen
  • lange Flugreisen


Neben diesen begünstigenden Faktoren unterscheidet man drei Mechanismen, die so genannte Virchow'sche Trias, durch die eine tiefe Beinvenenthrombose entstehen kann:
  • Veränderungen / Verletzungen der Gefäßwand:
    Bei Operationen - besonders beim Einsetzen von Hüft- und Knieimplantaten - kann es zum Abknicken benachbarter Venen oder zu kleinen Verletzungen ihrer Gefäßwände kommen. An diesen Stellen kann es schon während der Operation (intraoperativ) oder kurz danach (postoperativ) zur Gerinnselbildung kommen. Aber auch Prellungen oder Druck auf die Venen, z.B. durch Tumore oder Zysten, begünstigen Thrombosen.
  • Verändertes Gerinnungsverhalten des Blutes:
    Das Gerinnungsverhalten des Blutes kann durch unzählige Faktoren, z.B. Rauchen, Hormone oder Infektionen beeinflusst werden. Bei Operationen mit großem Blutverlust zum Beispiel reagiert der Körper mit einer verstärkten Gerinnungsneigung. So versucht er, den Verlust möglichst gering zu halten. Gleichzeitig steigt aber auch das Thromboserisiko.
  • Verlangsamung der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes:
    Die Fließgeschwindigkeit des Blutes ist im venösen System generell langsamer als im arteriellen. Versagt zusätzlich die Muskelpumpe, wie es zum Beispiel bei längerer Bettlägerigkeit, sinkt die Fließgeschwindigkeit und das es staut sich hinter den Venenklappen. Dort können sich die gefährlichen Gerinnsel bilden.


Nicht selten kommen alle drei Mechanismen zum Tragen, zum Beispiel bei längeren Operationen im Bauch-, Bein-, oder Beckenbereich. Somit ist die Thrombosegefahr vor allem während und nach Operationen besonders hoch.

Vorsicht statt Nachsicht
Eine Tiefe Beinvenenthrombose stellt immer eine Lebensbedrohung dar und selbst wenn sie rechtzeitig erkannt wird, ist die Behandlung riskant. Daher gilt: Der wirksamste Weg eine Thrombose zu bekämpfen, ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

Es gibt ganz grundsätzliche Dinge, die jeder für die Gesundheit seiner Venen tun kann: viel Bewegung, ausreichend trinken und die Vermeidung der aufgeführten Risikofaktoren. Bei besonders gefährdeten Menschen, zum Beispiel chirurgischen Patienten, muss die Prophylaxe aber weiter gehen. Anhand eines ausführlichen Gespräches beurteilt der Arzt, ob bei dem Patienten ein hohes oder niedriges Risiko für eine Thrombose vorliegt und entscheidet dann über die notwendigen Vorsorgemaßnahmen.

Weiter zum Teil 2:

Intelligente Thromboseprophylaxe: Intermittierende pneumatische Kompression

Nachrichten

22.05.2017

Fast jeder Zweite nutzt Gesundheits-Apps

Berlin – Fast jeder zweite Smartphone-Nutzer (45 Prozent) verwendet bereits Gesundheits-Apps. Ebenso viele können sich vorstellen, dies künftig zu tun. Lediglich 10 Prozent sind der Meinung, solche Apps künftig eher nicht oder auf gar keinen Fall nutzen zu wollen. Dies sind die Ergebnisse einer... Details
22.05.2017

Neue Projekte zu Datenqualität

Köln – Zwei Projekte zur Weiterentwicklung des Informationssystems Versorgungsdaten will das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) noch im Laufe des zweiten Quartals dieses Jahres beginnen. Unterstützt wird es dabei vom Bundesgesundheitsministerium. Die... Details
22.05.2017

Verbesserte Versorgung in strukturschwachen Gebieten

Köln/Düsseldorf – Das Projekt TeleArzt startet gemeinsam mit GWQ ServicePlus AG in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen. Seit dem 1. Mai 2017 haben Hausärzte die Möglichkeit, an dem Projekt teilzunehmen. Voraussetzung ist, dass sie an dem Vertrag zur Hausarztzentrierten... Details
22.05.2017

Unstrittige Gesetzvorlage und diverse neue Regelungen

Berlin – Mit einem Gesetzentwurf, der sich mit Blut- und Gewebezubereitungen befasst, will die Bundesregierung die Versorgung mit Gewebe- und Stammzellenzubereitungen verbessern. Während die Gesetzesvorlage an sich als unstrittig gilt, gibt es jedoch eine Reihe von sachfremden Regelungen, die im... Details
22.05.2017

OP-Roboter hilft bei Implantation von Reflux-Schrittmacher

Hamburg – Hamburgs erste roboterassistierte OP zur Implantation eines Reflux-Schrittmachers mit Hilfe des Da Vinci-Systems wurde kürzlich von Prof. Dr. Gero Puhl durchgeführt. Das Ziel für die Patienten: Ein Ende des schmerzhaften Rückflusses vom Magen in die Speiseröhre, keine... Details
11.04.2017

Gefährliche Blutgerinnsel: Thrombose und Lungenembolie

Eltville – Die Lungenembolie ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Sie wird häufig durch eine tiefe Venenthrombose in einer unteren Extremität verursacht. Eine Lungenembolie muss immer im Krankenhaus behandelt werden. Dort kommen... Details

Verwandte Inhalte

22.05.2017

Bessere Examensergebnisse durch Tablet-PCs

Berlin – In einer aktuellen Untersuchung kommen Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin zu dem Schluss: Tabletbasierte, multimedial unterstützte Ausbildung führt im Vergleich zu konventionellen Lernmethoden zu besseren Ergebnissen bei medizinischen Examen. Die... Details
22.05.2017

Laumann fordert Recht auf eigene Patientenakte

Berlin – Der Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, tritt dafür ein, dass Patienten jederzeit auf ihre eigenen Behandlungsdaten zugreifen können. Traurig gestimmt habe ihn das Verhalten der Krankenkassen bei der Ausschreibung von... Details
22.05.2017

BVMed hält Open-House-Modell für unzulässig

Berlin – Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hält „Open-House-Verträge“ von Krankenkassen in der Hilfsmittelversorgung für unzulässig. Sie dürften nicht durch einseitige Vorgaben von Vertragsinhalten den Willen des Gesetzgebers durch die gerade erst verabschiedete... Details
15.11.2016

Aktion Meditech Medien-Seminar: Gesundheit für Herz und Gefäße

Hamburg – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Bei der Therapie von Herzerkrankungen profitieren Patienten von innovativen Medizintechnologien. Der medizintechnische Fortschritt ermöglicht schonendere Verfahren und eine bessere Versorgung, wie... Details

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen Barrierefrei nach W3C "Web Content Accessi- bility Guidelines 1.0", Stufe A.