Zur Startseite der Aktion Meditech

Navigation

MRSA - Resistente Bakterien auf dem Vormarsch 19.05.2011    

Vergrößern
Ein Händeschütteln reicht: die Übertragung von MRSA ist gefährlich einfach.
"Wasch' dir die Hände" ist ein Satz, den Kinder unzählige Male zu hören bekommen. Warum ist Hygiene eigentlich so wichtig?

Im und auf dem Körper jedes Menschen leben Abermilliarden von Kleinstlebewesen, die Bakterien. Selbst nach normaler Hygiene wie Duschen oder Händewaschen findet man immer noch im Durchschnitt 100.000 Bakterien pro Quadratzentimeter gesunder Haut. Sie ernähren sich von Hautschuppen und sind meist völlig harmlos. Viele Bakterien sind sogar nützlich, im Darm zum Beispiel unterstützen sie die Verdauung.

Einige Bakterien hingegen sind alles andere als harmlos: Sie können eitrige Infektionen, Blutvergiftungen oder Entzündungen von Organen wie Lunge oder Nieren verursachen. Behandelt werden bakterielle Entzündungen in der Regel mit Antibiotika. Nach deren Entdeckung Anfang des 20. Jahrhunderts glaubte man, Infektionskrankheiten für immer besiegt zu haben. Heute sind Ärzte immer häufiger mit Bakterien konfrontiert, die resistent, also unempfindlich gegen Antibiotika sind. Paradoxerweise hat gerade der jahrzehntelange und sorglose Umgang mit Antibiotika zu den gefährlichen Resistenzen geführt. Je stärker die Bakterien mit Antibiotika angegriffen wurden, desto mehr waren sie gezwungen, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Als Folge nehmen bakterielle Infektionskrankheiten heute in den Industrienationen wieder zu.

Multiresistenter Stamm
Ein besonderes Problem stellt hierbei ein Bakterienstamm dar, der häufig als natürlicher Bestandteil der Hautflora vorkommt: der Methicillin- oder multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA). Einem gesunden Menschen kann der Keim nichts anhaben. Ist das Immunsystem hingegen geschwächt, kann er schwere Infektionen auslösen. Eine MRSA-Infektion kommt per se nicht häufiger vor als eine mit einem antibiotikaempfindlichen Staphylokokkenstammen, sie ist aber ungleich schwieriger zu behandeln.

Erschwerend kommt hinzu, dass die MRSA-Keime, die vorwiegend die Nase besiedeln, sehr widerstandsfähig sind. Sie vertragen Trockenheit und Wärme und können auch auf unbelebten Oberflächen wie Kleidung oder Türklinken lange überleben und infektiös bleiben. Und die Übertragung ist gefährlich einfach: ein Händeschütteln oder das Berühren einer besiedelten Oberfläche genügt.

Unsichtbare Gefahr
Der Ort, an dem die meisten MRSA-Infektionen stattfinden, ist das Krankenhaus. Experten sprechen dann von einer nosokomialen Infektion. Meist wird der Keim über die Hände des Pflegepersonals weiter getragen, denn was eigentlich selbstverständlich sein sollte, wird zu oft vernachlässigt: das Händewaschen nach jedem Patientenkontakt.
Der Keim muss nicht zwingend eine Infektion auslösen, sondern kann einen Menschen "lediglich" besiedeln. Man spricht dann von Kolonisation. Ein kolonisierter Patient zeigt keine Symptome und ist von einem nichtkolonisierten Patienten nicht zu unterschieden. Aber er ist ein Infektionsherd, der den Keim unbewusst und ungehindert an andere Patienten und das Krankenhauspersonal weiter tragen kann.

Die Auswirkungen einer MRSA-Infektion können besonders bei älteren oder immungeschwächten Krankenhauspatienten verheerend sein:
  • Entzündungen des Knochenmarks
  • Lungenentzündungen
  • Wundinfektionen
  • Abszesse innerer Organe
  • Blutvergiftungen


Je nach Schwere der Infektion kann es für den Patienten sogar lebensgefährlich werden. Schätzungen nach infizieren sich jedes Jahr bis zu 50.000 Patienten mit dem Keim, rund 1.500 überleben die Infektion nicht.

Gibt es Schutz?
Das Risiko, sich mit dem gefährlichen Erreger anzustecken, ist in der Klinik am höchsten und die Häufigkeit der Fälle hat in den letzten Jahren weltweit zugenommen. Aber auch außerhalb der Krankenhausmauern ist der Keim auf dem Vormarsch. Es gibt bislang hierzulande keine verlässliche Quelle, anhand derer Patienten die MRSA-Gefahr in einem Krankenhaus bemessen könnten. Das nationale Referenzzentrum für Infektionskrankheiten (KISS) veröffentlich zwar statistische Daten, aber die Materie ist komplex: Weist ein Krankenhaus wenige oder keine MRSA-Fälle auf, ist es nicht zwingend ein Vorbild an Hygiene. Möglicherweise werden die Fälle nur nicht erkannt, weil nicht gründlich genug nach MRSA "gefahndet", d.h. die Patienten bei Aufnahme nicht auf den Erreger hin getestet werden. Ein Krankenhaus hingegen, das viele MRSA-Fälle hat, screent möglicherweise viel gewissenhafter und senkt durch Isolation der Betroffenen die nosokomiale Ansteckungsgefahr.

Weiter zum Teil 2:

Nachrichten

27.07.2017

Aortenklappenstenose: Kathetergestützte Aortenklappenimplantation zeigt weiter Vorteile

Eltville – Die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) gehört europaweit zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen. Sie tritt verschleißbedingt insbesondere im hohen Lebensalter auf. Neben den konventionellen Operationsverfahren bieten minimalinvasive kathetergestützte Techniken eine... Details
30.05.2017

Bauchspiegelungen: Moderne Medizintechnologie ermöglicht dem Arzt räumliches Sehen

Eltville – Chirurgische Eingriffe sind durch die Entwicklung der Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt, wesentlich risikoärmer für die Patienten geworden. Bei der Laparoskopie werden die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mit speziellen Stablinsen-Optiken durch kleine, vom Chirurgen... Details
25.04.2017

Defibrillatorweste schützt wirksam vor dem plötzlichen Herztod

Eltville – Der plötzliche Herztod (PHT) ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die einzige wirksame Behandlung ist die Defibrillation. Patienten mit einem dauerhaften PHT-Risiko werden in der Regel mit einem implantierbaren Cardioverter Defibrillator (ICD) versorgt. Für Patienten... Details
11.04.2017

Gefährliche Blutgerinnsel: Thrombose und Lungenembolie

Eltville – Die Lungenembolie ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Sie wird häufig durch eine tiefe Venenthrombose in einer unteren Extremität verursacht. Eine Lungenembolie muss immer im Krankenhaus behandelt werden. Dort kommen... Details
16.03.2017

Ein dickes Problem: Adipositas und Diabetes

Eltville – Nach dem aktuellen Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2017 liegt Deutschland mit einer absoluten Anzahl von 6,5 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus im europäischen Vergleich an zweiter Stelle. Rund 95 Prozent der Betroffenen sind dabei an Typ-2-Diabetes erkrankt. Dieser ist... Details

Verwandte Inhalte

21.09.2017

SMS-Service gegen sexuell übertragbare Infektionen

Bochum – Chlamydien, Syphilis oder Gonorrhö: Menschen, bei denen eine sexuell übertragbare Infektion (STI) diagnostiziert wird, empfinden dies oft als peinlich. Ehemalige Sexualpartner darüber zu informieren, dass sie sich möglicherweise angesteckt haben, kostet Überwindung. Das Zentrum für... Details
15.11.2016

Aktion Meditech Medien-Seminar: Gesundheit für Herz und Gefäße

Hamburg – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Bei der Therapie von Herzerkrankungen profitieren Patienten von innovativen Medizintechnologien. Der medizintechnische Fortschritt ermöglicht schonendere Verfahren und eine bessere Versorgung, wie... Details
18.08.2016

„Ohne medizintechnische Innovationen würde es die moderne Herzchirurgie nicht geben“

In unserem Interview erläutert Professor Dr. med. Ralf Seipelt, Chefarzt der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der SHG Kliniken Völklingen, den Nutzen fortwährender medizintechnischer Innovationen in der Herzchirurgie unter anderem am Beispiel der TAVI.
Wie wichtig sind medizintechnische... Details
08.06.2016

Flüssigkeitstherapie auf dem OP-Tisch

Während einer Operation und auf der Intensivstation ist die lückenlose Überwachung der Herz- und Kreislauffunktion eines Patienten wesentlich. Um darüber hinaus möglichen Komplikationen vorzubeugen, wird auch empfohlen, das Flüssigkeitsvolumen des Patienten rund um die Operation in einem... Details

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen Barrierefrei nach W3C "Web Content Accessi- bility Guidelines 1.0", Stufe A.