Zur Startseite der Aktion Meditech

Navigation

Den Keim ersticken - Schnell-Screening-Verfahren bei multiresistenten Bakterien (MRSA) 19.05.2011    

Vergrößern
Multiresistenter Staphylococcus aureus
Holländischen oder dänischen Krankenhäusern gelingt es schon seit Jahren, ihre MRSA-Raten auf einem konsequent niedrigen Niveau zu halten. Hierzulande oder auch in Großbritannien steigen die Zahlen in Gegensatz dazu Jahr für Jahr an. Neben dem insgesamt sparsameren Umgang mit Antibiotika und der strikten Einhaltung von Hygienestandards ist die systematische Suche nach dem Erreger der Schlüssel zum Erfolg. Idealerweise sollte jeder Patient, der ins Krankenhaus aufgenommen wird, auf MRSA untersucht und bis das Ergebnis vorliegt, von anderen Patienten isoliert werden. Das ist logistisch und finanziell für kaum ein Krankenhaus realisierbar. Viele - aber bei weitem nicht alle - Kliniken beschränken sich daher darauf, zumindest die Risikopatienten auf den Erreger hin zu testen. Nicht wenige Häuser sparen sich das Screening ganz.

Beim MRSA-Screening wird mit einem Tupfer ein Abstrich zum Beispiel von der Nasenschleimhaut genommen und auf einem Nährboden in einer Schale ausgestrichen. Die Schale wird in einem Wärmeschrank bei 37° über Nacht "bebrütet". Die Erreger vermehren sich dadurch schnell und können am nächsten Tag untersucht werden. Meist werden dabei verschiedene Keime angezüchtet und müssen erst voneinander isoliert werden. Das verzögert den Nachweis um weitere 24 Stunden. Ist ein Patient Träger eines MRSA-Keimes und während dieser ganzen Zeit nicht isoliert, kann er unwissentlich bereits eine wahre Infektionskette auslösen.

Wertvoller Zeitvorsprung
Dank innovativer Screening-Verfahren lässt sich die Zeit bis zum Vorliegen des Ergebnisses heute erheblich verkürzen. Diese molekularbiologischen Methoden erfordern zwar genauso wie die herkömmlichen Verfahren einen Abstrich, die Bakterien müssen im nächsten Schritt aber nicht mehr angezüchtet werden. Die Tests weisen den Erreger über einen speziellen genetischen Code in seiner DNA nach - das Ergebnis kann direkt abgelesen werden, bei einigen Tests bereits innerhalb von 2 Stunden. Von diesem Zeitvorsprung profitieren die Kliniken in mehrfacher Weise: Die Isolation von negativ getesteten Patienten kann schnell aufgehoben werden - das spart Kosten und Aufwand. Patienten mit positivem Befund können früher gezielt, d.h. mit speziellen Antibiotika behandelt werden. Und nicht zuletzt kann vermieden werden, dass sich weitere Patienten mit dem Erreger anstecken. Vorausgesetzt natürlich, die infizierten oder kolonisierten Patienten werden strikt isoliert und alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa das Anlegen von Schutzkleidung oder Händedesinfektion nach jedem Kontakt, strikt eingehalten.

Fazit
Angesichts der aufgeführten Vorteile für den Patienten und die Krankenhäuser stellt sich die berechtigte Frage, warum in Deutschland nicht häufiger auf MRSA gescreent wird. Eine Antwort darauf lautet: Jeder MRSA-Test kostet Geld. Daher verschließen viele Krankenhäuser lieber die Augen vor dem MRSA-Problem - eine Strategie, die langfristig nicht aufgeht: Infiziert sich ein Patient im Krankenhaus mit dem Keim, muss er im Schnitt 10-15 Tage länger stationär behandelt werden und verursacht Mehrkosten von mehreren tausend Euro, die das Krankenhaus zum Teil selbst tragen muss. Studien belegen, dass Screenings helfen, die MRSA-Infektionsraten in Krankenhäusern niedrig zu halten, und das umso effektiver, wenn es sich dabei um Schnelltests handelt. Schon einige wenige MRSA-Neuinfektionen im Krankenhaus verursachen so hohe Kosten, dass ein generelles Screening aller neu aufgenommenen Patienten sich finanziell rechnet. Laut KISS ist das in mindestens einem Viertel aller Intensivstationen in Deutschland bereits der Fall.

Grundsätzlich ist Patienten anzuraten, sich in einem Krankenhaus zu erkundigen, welche Maßnahmen zu ihrem Schutz vor einer gefährlichen MRSA-Infektion ergriffen werden, ob zum Beispiel neu aufgenommene Patienten auf den Erreger hin getestet werden. Denn eine Ansteckung mit MRSA ist vermeidbar.

Letzte Aktualisierung: Mai 2007

Nachrichten

27.07.2017

Aortenklappenstenose: Kathetergestützte Aortenklappenimplantation zeigt weiter Vorteile

Eltville – Die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) gehört europaweit zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen. Sie tritt verschleißbedingt insbesondere im hohen Lebensalter auf. Neben den konventionellen Operationsverfahren bieten minimalinvasive kathetergestützte Techniken eine... Details
30.05.2017

Bauchspiegelungen: Moderne Medizintechnologie ermöglicht dem Arzt räumliches Sehen

Eltville – Chirurgische Eingriffe sind durch die Entwicklung der Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt, wesentlich risikoärmer für die Patienten geworden. Bei der Laparoskopie werden die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mit speziellen Stablinsen-Optiken durch kleine, vom Chirurgen... Details
25.04.2017

Defibrillatorweste schützt wirksam vor dem plötzlichen Herztod

Eltville – Der plötzliche Herztod (PHT) ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die einzige wirksame Behandlung ist die Defibrillation. Patienten mit einem dauerhaften PHT-Risiko werden in der Regel mit einem implantierbaren Cardioverter Defibrillator (ICD) versorgt. Für Patienten... Details
11.04.2017

Gefährliche Blutgerinnsel: Thrombose und Lungenembolie

Eltville – Die Lungenembolie ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Sie wird häufig durch eine tiefe Venenthrombose in einer unteren Extremität verursacht. Eine Lungenembolie muss immer im Krankenhaus behandelt werden. Dort kommen... Details
16.03.2017

Ein dickes Problem: Adipositas und Diabetes

Eltville – Nach dem aktuellen Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2017 liegt Deutschland mit einer absoluten Anzahl von 6,5 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus im europäischen Vergleich an zweiter Stelle. Rund 95 Prozent der Betroffenen sind dabei an Typ-2-Diabetes erkrankt. Dieser ist... Details

Verwandte Inhalte

24.07.2017

Gibt es bald einen digitalen Sektor?

Berlin – Die digitalisierte Medizin muss ein integrativer Bestandteil sinnvoller Versorgungsprozesse sein. Darin sind sich die Experten auf der Veranstaltung „Ambulant – Der neue Weg“ des Bundesverbands Medizintechnologie (BVMed) einig.
Die Technik sei kein Selbstzweck, sondern das Werkzeug,... Details
15.11.2016

Aktion Meditech Medien-Seminar: Gesundheit für Herz und Gefäße

Hamburg – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Bei der Therapie von Herzerkrankungen profitieren Patienten von innovativen Medizintechnologien. Der medizintechnische Fortschritt ermöglicht schonendere Verfahren und eine bessere Versorgung, wie... Details
18.08.2016

„Ohne medizintechnische Innovationen würde es die moderne Herzchirurgie nicht geben“

In unserem Interview erläutert Professor Dr. med. Ralf Seipelt, Chefarzt der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der SHG Kliniken Völklingen, den Nutzen fortwährender medizintechnischer Innovationen in der Herzchirurgie unter anderem am Beispiel der TAVI.
Wie wichtig sind medizintechnische... Details
08.06.2016

Flüssigkeitstherapie auf dem OP-Tisch

Während einer Operation und auf der Intensivstation ist die lückenlose Überwachung der Herz- und Kreislauffunktion eines Patienten wesentlich. Um darüber hinaus möglichen Komplikationen vorzubeugen, wird auch empfohlen, das Flüssigkeitsvolumen des Patienten rund um die Operation in einem... Details

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen Barrierefrei nach W3C "Web Content Accessi- bility Guidelines 1.0", Stufe A.