Zur Startseite der Aktion Meditech

Navigation

Video-Kapselendoskopie: Zuverlässige Dünndarm-Diagnose per Minikamera 19.05.2011    

Vergrößern
Einsatz: Unklare Blutungen oder konkreter Verdacht auf Morbus Crohn
Ungeklärte Bauchbeschwerden - Bauchschmerzen, Durchfall - machen vielen Menschen das Leben schwer: Leistungsvermögen und Lebensqualität lassen nach, die Unklarheit über die Ursache der Symptome kann zur großen Belastung werden. Meist handelt es sich um ein funktionelles Reizdarmsyndrom. Die Aufklärung über die harmlose Natur dieser Krankheit trägt zur Beruhigung der Patienten bei. Falls erforderlich, erfolgt eine Behandlung der vorherrschenden Symptome. Besteht der Verdacht auf eine organische Ursache der Beschwerden, kann eine Magen- und/oder Dickdarmspiegelung erforderlich werden. Wenn jedoch weitere Warnzeichen wie Blut im Stuhl, Gewichtsverlust und Fieber hinzu kommen und die üblichen Spiegelungen nichts ergeben, ist es sinnvoll, auch den Dünndarm zu untersuchen.
Bis vor kurzem galt der Dünndarm als "blinder Fleck" in der bildgebenden Diagnostik: Herkömmliche endoskopische oder radiologische (Röntgen-) Untersuchungen können das vier bis sechs Meter lange, schwer zugängliche Organ nur zum Teil einsehen. Die Folge: Dünndarmerkrankungen werden häufig übersehen oder können nicht in ihrer ganzen Ausdehnung beurteilt werden - eine gezielte Behandlung ist so unmöglich. Für manche Betroffene bedeuten ungeklärte Symptome wie z. B. Blutungen einen langen Leidensweg. Sie gehen von Arzt zu Arzt, ohne die Ursache ihrer Beschwerden klären zu können.


Vergrößern
Neu: Video-Pille bringt Licht in den Darm
Licht in den Dünndarm bringt jetzt die Video-Kapselendoskopie: Sie ermöglicht erstmals die endoskopische Betrachtung des gesamten Magen-Darm-Traktes und spürt bislang unentdeckte organische Erkrankungen in Dünndarm zuverlässig auf. Gleichzeitig ist sie besonders patientenfreundlich, denn die Untersuchung wird ambulant durchgeführt, benötigt keine Betäubung und ist frei von Schmerzen oder Nebenwirkungen.
Kernstück der Video-Kapselendoskopie ist eine Mini-Kamera. Sie ist etwa so groß wie eine Vitaminpille (26 x 11mm, Gewicht: 3,7g), wird auf nüchternen Magen geschluckt und wandert dann, geleitet durch die Eigenbewegung des Darms, durch den Verdauungstrakt. Während ihrer rund achtstündigen Reise macht die Kamera zwei Aufnahmen pro Sekunde, insgesamt entstehen bis zu 60.000 Bilder. In dieser Zeit kann der Patient seinem gewohnten Tageslauf nachgehen, sollte jedoch nur leicht essen. Am Bauch angebrachte Sensoren empfangen die Darmbilder und schicken sie an einen Datenrekorder, den der Patient um die Hüfte trägt. Schließlich wird die Kapsel auf natürlichem Wege ausgeschieden und nicht wieder verwendet.


Vergrößern
Befund am Monitor während der Auswertung durch den Arzt. Quelle: Dr. Martin Keuchel, AK Altona
Die Auswertung geschieht dann beim Arzt: Der Datenrekorder überspielt die Aufnahmen in einen Computer, eine spezielle Software bestimmt die genaue Position jedes Bildes und erleichtert so das Lokalisieren von Auffälligkeiten. Für viele Patienten bedeutet es das Ende eines langen Leidensweges: Endlich haben Sie Klarheit, woher ihre Bauchschmerzen kommen - und erhalten in der Regel eine Behandlung, die das Leiden heilt oder lindert.
Die Video-Kapselendoskopie ist nicht nur schonender, sie ist auch deutlich sicherer und effizienter als herkömmliche Verfahren in der Dünndarm-Diagnostik. Die faszinierende neue Technologie vermeidet falsche Diagnosen und falsche Behandlungen - und reduziert auf diese Weise Kosten im Gesundheitssystem.


Kamera-Pille: Weltweit auf dem Vormarsch
In den USA ist die Video-Kapselendoskopie als Methode der ersten Wahl für die Dünndarm-Diagnostik zugelassen, in Europa ist sie seit 2001 CE-zertifiziert. Sie ist derzeit in 33 Ländern der Welt verfügbar und wurde bisher weltweit bei ca. 200.000 Patienten angewendet. In Deutschland setzen schon ca. 200 gastroenterologische Fachzentren (Klinik und Praxis) die "Kamera-Pille" ein. Vor kurzem haben die Fachgesellschaften die Liste der Indikationen erweitert: Die Video-Kapselendoskopie wird nach Gastroskopie und Koloskopie bei unklaren Blutungen und bei konkretem Verdacht auf Morbus Crohn eingesetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) appellierte wiederholt an die Krankenkassen, die Kosten für dieses Verfahren zu übernehmen. Private Krankenkassen übernehmen seit kurzem die Kosten für Video-Kapselendoskopie. Gesetzlich Versicherte müssen die Kostenübernahme noch im Einzelfall klären. Selbst zahlen ist bislang nur im ambulanten Bereich möglich, die Behandlung kostet einmalig ca. 1.200 Euro.

Aktion Meditech dazu: Die Video-Kapselendoskopie sollte allen Patienten im Rahmen der genannten Indikationen zugänglich sein, bei denen die üblichen Untersuchungen keine Aufklärung schaffen konnten. Den Betroffenen bliebe viel Leid und dem Gesundheitssystem die Kosten unnötiger Untersuchungen und falscher Therapien erspart.

Weitere Informationen zum Thema Video-Kapselendoskopie:

Patienten berichten:


Links:
  • www.dccv.de
    Deutsche Morbus Crohn Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e. V.

  • www.dgvs.de/
    Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten DGVS Verlinkung auf Patientengeschichte Eva Stubbe (Website Aktion Meditech / (wird in Kürze geschrieben)

Nachrichten

27.07.2017

Aortenklappenstenose: Kathetergestützte Aortenklappenimplantation zeigt weiter Vorteile

Eltville – Die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) gehört europaweit zu den häufigsten Herzklappenerkrankungen. Sie tritt verschleißbedingt insbesondere im hohen Lebensalter auf. Neben den konventionellen Operationsverfahren bieten minimalinvasive kathetergestützte Techniken eine... Details
30.05.2017

Bauchspiegelungen: Moderne Medizintechnologie ermöglicht dem Arzt räumliches Sehen

Eltville – Chirurgische Eingriffe sind durch die Entwicklung der Bauchspiegelung, auch Laparoskopie genannt, wesentlich risikoärmer für die Patienten geworden. Bei der Laparoskopie werden die Bauchhöhle und die darin liegenden Organe mit speziellen Stablinsen-Optiken durch kleine, vom Chirurgen... Details
25.04.2017

Defibrillatorweste schützt wirksam vor dem plötzlichen Herztod

Eltville – Der plötzliche Herztod (PHT) ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Die einzige wirksame Behandlung ist die Defibrillation. Patienten mit einem dauerhaften PHT-Risiko werden in der Regel mit einem implantierbaren Cardioverter Defibrillator (ICD) versorgt. Für Patienten... Details
11.04.2017

Gefährliche Blutgerinnsel: Thrombose und Lungenembolie

Eltville – Die Lungenembolie ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung. Sie wird häufig durch eine tiefe Venenthrombose in einer unteren Extremität verursacht. Eine Lungenembolie muss immer im Krankenhaus behandelt werden. Dort kommen... Details
16.03.2017

Ein dickes Problem: Adipositas und Diabetes

Eltville – Nach dem aktuellen Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2017 liegt Deutschland mit einer absoluten Anzahl von 6,5 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus im europäischen Vergleich an zweiter Stelle. Rund 95 Prozent der Betroffenen sind dabei an Typ-2-Diabetes erkrankt. Dieser ist... Details

Verwandte Inhalte

21.09.2017

SMS-Service gegen sexuell übertragbare Infektionen

Bochum – Chlamydien, Syphilis oder Gonorrhö: Menschen, bei denen eine sexuell übertragbare Infektion (STI) diagnostiziert wird, empfinden dies oft als peinlich. Ehemalige Sexualpartner darüber zu informieren, dass sie sich möglicherweise angesteckt haben, kostet Überwindung. Das Zentrum für... Details
15.11.2016

Aktion Meditech Medien-Seminar: Gesundheit für Herz und Gefäße

Hamburg – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Bei der Therapie von Herzerkrankungen profitieren Patienten von innovativen Medizintechnologien. Der medizintechnische Fortschritt ermöglicht schonendere Verfahren und eine bessere Versorgung, wie... Details
18.08.2016

„Ohne medizintechnische Innovationen würde es die moderne Herzchirurgie nicht geben“

In unserem Interview erläutert Professor Dr. med. Ralf Seipelt, Chefarzt der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der SHG Kliniken Völklingen, den Nutzen fortwährender medizintechnischer Innovationen in der Herzchirurgie unter anderem am Beispiel der TAVI.
Wie wichtig sind medizintechnische... Details
08.06.2016

Flüssigkeitstherapie auf dem OP-Tisch

Während einer Operation und auf der Intensivstation ist die lückenlose Überwachung der Herz- und Kreislauffunktion eines Patienten wesentlich. Um darüber hinaus möglichen Komplikationen vorzubeugen, wird auch empfohlen, das Flüssigkeitsvolumen des Patienten rund um die Operation in einem... Details

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen Barrierefrei nach W3C "Web Content Accessi- bility Guidelines 1.0", Stufe A.